Maler gegen Fotografen
 

Vor einiger Zeit habe ich mich ja darüber ausgelassen, dass ich Fotografieren zunächst mal als Handwerk begreife, das man beherrschen sollte. Und doch finde ich es nicht gerecht, dass die Fotografie in den Augen vieler einen geringeren Stellenwert als beispielsweise die Malerei einnimmt, wenn es um den künstlerischen Wert geht. Diese Erfahrung mache ich leider auch immer wieder bei den örtlichen "Kunstausstellungen".

 

Wie kommts? Klar... beim Fotografieren drückt man ein kleines Knöpfchen und wenn die Kamera nur teuer genug ist und der, der auf den Knopf gedrück hat nur laut genug brüllt dass er der Beste ist, ist innerhalb des Bruchteils einer Sekunde die Aufnahme des Jahrhunderts entstanden.
 
Sowas kann doch kein Kunstwerk sein.
 
Maler oder Bildhauer müssen sich schließlich mehrere Stunden, Tage, Wochen oder sogar Jahre für ein einziges Kunstwerk verausgaben. Das wäre ja dann schließlich auch nicht gerecht.
 
Es ist nur... dieser Gedankengang ist ein wenig kurzsichtig. Wird damit doch sämtliche Arbeit, die vor dem Knöpfchen drücken erledigt werden muss, ohne Würdigung unter den Teppich gekehrt. Genauso wie ein Bildhauer jahrelang üben muss, bis er aus einem Stück Holz etwas meisterliches zustande bringt, so will auch das Fotografieren in vielen Jahren des Übens erlernt werden.
 
Sowohl beim Malen und Zeichnen als auch beim Fotografieren steht die Zeit, die beim eigentlichen Erstellen des Kunstwerks benötigt wird in keinem Vergleich zum Zeitaufwand für das finale Produkt und wird für meine Verhältnisse - die Maler, Zeichner und Bildhauer mögen es mir verzeihen - in der Gesellschaft überschätzt.
All die Stunden hingegen, die jegliche Art von Künstler zuvor in sein Handwerk investiert hat, um es zu perfektionieren, werden meiner Ansicht nach viel zu wenig geschätzt.
 
Dabei waren es hauptsächlich Künstler, die - meist durch Zufall - die Fotografie in ihren Grundzügen erfunden haben. Um nur einige zu nennen:
  • Daguerre, der Dioramen ("Bildkästen" - ungefähr so etwas wie die allseits bekannten Weihnachtskrippen) nicht mehr aufwändig malen wollte.
  • Niepce, der Bilder nicht mehr von Hand gravieren wollte und das uns erste bekannte Foto angefertigt hat.
  • Talbot, der Landschaften nicht mehr zeichnen wollte.
 
Das Verfahren Daguerres war damals mit relativ einfachen Mitteln durchzuführen, so dass bald viele Menschen, denen es gefiel ohne großes Können im Bereich der Chemie dem zugegebenermaßen teuren Hobby "Fotografieren" nachgehen konnten.
Auch hiervon kommt geschichtlich gesehen ein Punkt, weshalb meiner Ansicht nach von den "Hardcorekunstpuristen" die Fotografie immer noch als weniger wertvoll angesehen wird als die Malerei. Der Fotograf konnte die Natur wesentlich genauer und detailreicher darstellen, als dies allen anderen Künstlern je möglich gewesen wäre. Das schafft selbstverständlich in Künstlerkreisen bei vielen zunächst mal eher Unmut. Man musste sich irgendwie zusammenraufen aber auch deutlich voneinander abgrenzen.
 
Wie heißt es aber so schön: Wenn frische Winde wehen, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen.
 
Betrachtet man sich die Ansichten einiger Kuratoren (Menschen, die Bilder für Kunstausstellungen auswählen), so wäre es an der Zeit, einige Mauern einzureißen. Das hat Deutschland noch nie geschadet. Zumal dieser Wind eigentlich gar nicht mehr so frisch, sondern nahezu 200 Jahre alt ist...

 

 

 
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