Portraitfotografie - Mit der Mode gehen?
 

Vor einiger Zeit war es der Pastell-Look. Dann kam der HDR Look bei Portraits. Und heute? Heute scheint es wohl der Cyan Look zu sein. Wer als Fotograf angesagt sein will, sollte diese Looks unbedingt draufhaben. 

Ich habe dazu keine Lust und möchte heute kurz darüber schreiben weshalb.

 

 

Zugegeben: als ich die Looks jeweils das erste Mal gesehen habe, war ich auch begeistert von dem tollen Stil, den der jeweilige Fotograf hat. Die tollen pastelligen Farben, die alle Fotos wie aus einer Zuckerfabrik gedruckt aussehen lassen haben mich ebenso sehr fasziniert, wie einige Zeit später das genaue Gegenteil, als vornehmlich Charaktergesichter mit einem starkem Mikrokontrast gezeigt wurden, der die Furchen und Poren der gegerbten Haut noch mehr hervorbrachte, als das in der Realität der Fall war. Und auch der seit einiger Zeit angesagte Look, der alle hellen Bereiche im Bild mit einem Hauch (oder soll ich mittlerweile eher sagen einem Güllefass voll) Cyan gefärbt sein lässt, gefiel mir anfangs.

 

Dennoch haben meine Bilder all dies nicht und das mit gutem Grund:

Ich will bei meinen Bildern nicht mit irgendeiner Mode gehen und ihnen einen Look aufzwängen, der gar nicht zum Bild passt. Ich will das Aussehen meiner Bilder nicht über die Nachbearbeitung am PC definieren. Ich will nicht Stunden in diversen Internetforen verbringen, in denen diskutiert wird, wie dieser und jener Look in Photoshop nachzuahmen ist. Ich will da keine Anleitungen, Rezepte und Presets.

Meiner Meinung nach stützen sich viel zu viele Fotografen darauf, was gerade angesagt ist und machen es nach. Dabei gerät das Fotografieren selbst viel zu sehr in den Hintergrund und findet von Fotografen wie auch Fotografierten viel zu wenig Beachtung. 

Mein Stil soll natürlich, klassisch aber mit dem bestimmten Etwas wirken. Und genau dies versuche ich bereits beim Fotografieren zu verwirklichen. Klar helfe ich bei jedem einzelnen Bild am PC nach. Das ist schon allein dadurch bedingt, dass ich RAW Dateien fotografiere. Allerdings versuche ich nicht ein technisch schlecht gemachtes Bild am Computer in Photoshop zu retten. 

Diese Farblooks, die heute so häufig und inflationär anzutreffen sind, haben - so denke ich - ihren Ursprung bei Apps wie Instagram. Sie sind dafür gedacht, Handyfotos mit einem Klick aufzuwerten. Und da haben sie selbstverständlich auch jede Berechtigung dazu. Nur sollte man eines nicht vergessen:

Vom Fotografen gemachte Fotos sollten doch bitte auch über lange Zeit hinweg optisch ansprechend sein. Ob dies mit diesen Looks funktioniert, wage ich zu bezweifeln. Auch ein giftgrünes Auto mag wohl für ein paar Wochen oder Monate ganz nett und modern aussehen, spätestens nach einem Jahr aber wird man sich an der Farbe sattgesehen haben und sich wünschen, man hätte sich doch lieber eine Karosse in einer Farbe gekauft, die eine Nummer dezenter daherkommt...

Deshalb nochmal meine Meinung: beeindrucken sollte man mit Perfektion, technisch wie gestalterisch, und nicht mit dem aktuellen Farblook, der zwar heute angesagt, morgen aber schon wieder von gestern ist.

Und bevor es ein anderer anmerkt: ja... auch ich verwende manchmal Farblooks. Aber - so hoffe ich - wenn es passt (oder vom Kunden gewünscht wird) und nicht standardmäßig, weil es modern ist.

 

 
 
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