Das Zusammenspiel zwischen Blende und Zeit
 

Spätestens seit meinem Artikel von letzter Woche wissen wir nun also, dass ich sowohl mit der Blendenöffnung als auch mit der Belichtungszeit beeinflussen kann, wie hell oder dunkel mein Bild wird. Heute befassen wir uns damit, was ich mit diesen beiden Einstellungen außerdem noch beeinflussen kann und klären den Hauptgrund für unscharfe Bilder.

 
Belichtungszeit
Wie bereits erwähnt, stellt die Belichtungszeit jene Zeit dar, in der Licht auf den Sensor der Kamera gelassen wird. Diese Zeit ist der Hauptgrund für unscharfe Fotos. Das kann aufgrund zweierlei Bedingungen passieren:
 
1. das abfotografierte Objekt bewegt sich in Vergleich zu meiner Belichtungszeit zu schnell. Dies sollte eigentlich relativ klar sein. Wenn ich einen Hasen auf der Wiese bei Vollgas fotografieren möchte, dann muss die Verschlusszeit entsprechend kurz gewählt werden, damit dieser scharf dargestellt wird. Eine ältere Person, welche mit Gehwagen die Straße überquert, kann ich hingegen mit einer viel längeren Belichtungszeit fotografieren.
 
2. die eingestellte Belichtungszeit ist für meine Brennweite (also wie nahe meine Kamera das zu fotografierende Objekt heranzoomt) zu lang. Je größer die Brennweite ist, desto kürzer wird die maximal mögliche (im Sinne von: die längste) Belichtungszeit. Hierzu gibt es eine recht einfache Regel:
 
maximale Belichtungszeit = 1/Brennweite
 
Habe ich also ein 18-55mm Objektiv, und das Objektiv ist auf 55mm eingestellt, dann ist das längste, was ich aus der Hand gehalten belichten kann 1/55tel Sekunde, beziehungsweise (es geht eh nur 1/50tel oder höher) das nächst höhere: 1/60tel Sekunde. Dies ist aber wirklich nur eine Pi mal Daumen Rechnung, die eigentlich auch nur für teuere Vollformatkameras gilt. Ein wenig kürzer ist also immer besser.
 
Außer man fotografiert mit Stativ. Wenn die Kamera darauf gut festgemacht ist, dann kann man ja während der Belichtung nicht verwackeln, wodurch Langzeitbelichtungen möglich werden. So wie im folgenden Bild. Wie lange habe ich hier wohl belichtet?
 
 
lange Belichtung
lange Belichtung
 
Blendenöffnung
Die Blendenöffnung wird für viele vermutlich viel interessanter sein. Damit kann ich nämlich ein fotografiertes Objekt durch gezielten Schärfe-Unschärfeverlauf vom Vorder- und Hintergrund freistellen. Bei einer großen Blendenöffnung wie zum Beispiel bei f 1.4 wird nur sehr wenig im Bild scharf dargestellt, während bei einer sehr kleinen Blendenöffnung wie zum Beispiel bei f 16 sehr viel scharf dargestellt wird. Angenommen ich fotografiere ein Portrait bei dem ich bei f 1.4 auf das rechte Auge der fotografierten Person fokussiere, dann kann (beziehungsweise wird es) passieren, dass bereits die Nasenspitze im Vordergrund und die Ohren im Hintergrund nicht mehr scharf sind. Fotografiere ich aus gleicher Entfernung mit dem gleichen Objektiv mit einer Blendenöffnung von f 16, dann wird vermutlich nicht nur die Person, sondern auch noch ein beträchtlicher Teil im Vordergrund und Hintergrund scharf abgebildet werden.
 
Seht euch hier zum Beispiel den versteinerten Mann aus dem Further Wildgarten an. Im linken Bild wird alles scharf dargestellt. Natürlich weiß man, was auf dem Foto das Interessante ist, dennoch lenkt zu viel im Bild davon immer wieder ab. Im rechten Bild hingegen, wird durch den Schärfe- Unschärfeverlauf ganz klar gemacht, was das Hauptmotiv ist.
 
 
 
kleine Blende
1/80, bei f 8.0, ISO 1600
große Blende
1/125, bei f 1.4, ISO 100
 
Hier noch ein weiteres Beispiel: welches Bild ist mit f 1.4 und welches mit f 14 aufgenommen? Fahrt mit der Maus über das Bild, um die Lösung zu sehen.
 
 
f 1.4
Bild 1
f 14
Bild 2
 
 
Das Schwierige daran ist nun, diese Einstellungen plus die Sensorempfindlichkeit (ISO) so einzustellen, dass ein korrekt belichtetes Foto rauskommt. Will ich ein Foto mit nur sehr kleinem Schärfebereich auunehmen, so muss ich eine große Blendenöffnung einstellen. Dies jedoch hat zur Folge, dass sehr viel Licht auf den Sensor kann. Was ist also die Lösung?
Richtig, ich muss die Belichtungszeit verkürzen, beziehungsweise die Sensorempfindlichkeit herunterschrauben.
Will ich einen Formel 1 Wagen aus nächster Nähe an mir vorbeirasend "einfrieren", so muss ich eine sehr kurze Belichtungszeit wählen. Die Blendenöffnung kann ich jedoch auch nicht beliebig groß wählen, weil ich sonst in der kurzen Zeit gar keine Chance habe, das Auto einigermaßen scharf zu bekommen. Die Lösung hier wäre, die ISO möglichst hochzuschrauben, wenngleich dann auch die Bildqualität leidet.
Schaut nochmal hoch zu dem Bild vom versteinerten Mann und vergleicht die restlichen Einstellungen bei großer und kleiner Blendenöffnung.
 
Demnächst sehen wir uns verschiedene Kompositionstechniken für Bilder an, damit wir von den typischen Knipserfotos weg- und hin zu gut gestalteten Aufnahmen kommen.
Vielen Dank, dass Du wieder mit dabei warst. Schreibe und kommentiere bei Fragen, Lob und Anregungen gerne auf meiner Facebookseite.
 
 
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