Richtig belichten - Teil 3
 

Wir wissen also nun, dass unsere Kamera nicht immer treffsicher die richtigen Einstellungen für die Helligkeit nimmt, weil sie schicht und ergreifend keine Ahnung davon hat, was sie fotografiert, sondern nur alles so einstellt, dass sie ungefähr ein richtig belichtetes Bild hat. Für ein schnelles Urlaubsfoto mag das ausreichen, aber interessanter wirds, wenn wir das Steuer selbst in die Hand nehmen und nicht mehr nur Beifahrer unserer Kamera sind.

 
Letzte Woche habe ich ja bereits die drei Möglichkeiten erwähnt, mit denen man bestimmt, wie hell ein Bild wird:
 
1. wie lange der Sensor belichtet wird
2. wie weit das Objektiv, die Blende, dabei geöffnet ist
3. wie empfindlich der Sensor eingestellt ist
 
Diese drei Elemente, so könnte man sagen, sind die Dreifaltigkeit der Fotografie. Je nachdem, wie diese drei zusammenwirken, kann ich die schwarze Katze in der Nacht unterm Sofa fotografieren und aussehen lassen, wie eine Albinokatze oder in der hellen Mittagssonne ein Foto machen, das den Eindruck erweckt, es wäre Nacht. Fast schon furchteinflößend, was Kameras heutzutage leisten können. Aber dieses Zusammenspiel aus den drei Elementen will verstanden sein, sonst gibts Frust. Zum Glück ist es nicht wirklich schwer.
 
Schauen wir uns die drei Elemente am Besten mal getrennt an. Um es gleich vorweg zu nehmen, jedes dieser Elemente hat je nach Einstellung noch einen Haufen anderer Konsequenzen für das Aussehen des Bildes. Manche werde ich kurz auch anschneiden. Das Hauptaugenmerk liegt aber heute auf der Auswirkung auf die Helligkeit. Alles andere kommt später.
 
1. Die Belichtungszeit
 
Jeder kennt das, die Blumen auf dem Balkon müssen gegossen werden. Was machst du also? Genau: Du stellst die Gießkanne unter den Wasserhahn und drehst auf. Wenn du nicht lange genug aufdrehst, dann ist die Gießkanne nicht voll. Wenn du zu lange aufdrehst, dann läuft die Gießkanne über. Ist auch nicht gut.
Genau so kann man sich das mit der Belichtungszeit vorstellen. In einer Spiegelreflex ist ein Sensor. Vor diesem befindet sich der sogenannte Verschlussvorhang. Dieser geht für die eingestellte Zeit auf und der Sensor "sammelt" Licht. Je nachdem, wie lange der Vorhang auf ist, wird das Bild heller oder dunkler. Easy...
Eine Gießkanne aufzufüllen dauter allerdings wesentlich länger. Wir sprechen beim Fotografieren meist von 1/60tel Sekunde bis hin zu 1/8000tel Sekunde. So schnell also, da kannst du nicht mal "Zwanzg zkwetschte Zwetschgen" sagen. Aber das kannst du eh nur, wenn du Bayer bist.
 
     Insiderwissen: wenn du durch den Sucher schaust, steht da in der Regel nur der Nenner des Bruches. Also statt 1/200 steht da nur 200.
 
2. Die Blende
 
Bleiben wir bei der Gießkanne: Was, außer der Zeit, die der Wasserhahn aufgedreht ist, bestimmt noch, wann die Gießkanne voll ist? Genau... Ich kann natürlich voll aufdrehen oder das Wasser nur langsam reintropfen lassen.
Bei der Kamera ist das Pendant dazu, wie weit das Objektiv geöffnet ist, während der Sensor Licht einfängt. Eine große Blendenöffnung sorgt übrigens auch dafür, dass der Hintergrund bei einem Bild so richtig schön verschwommen ist, während das Motiv (hoffentlich) scharf abgebildet wird. Dazu braucht es in der Regel Objektive, in denen sehr viel Glas und Know How steckt. Deswegen sind die Dinger auch oft so schweineteuer...
Die Blendenöffnung wird jetzt etwas kompliziert angegeben. Meistens steht davor ein f und dann kommen manchmal ganz komische Kommazahlen. Zum Beispiel f 5,6
Und jetzt das Komplizierte: je kleiner die Zahl ist, desto größer ist die Blendenöffnung, je größer die Zahl ist, desto kleiner ist die Blendenöffnung.
 
große Blende
große Blende, kleine Blendenzahl: f 1,8
kleine Blende
kleine Blende, große Blendenzahl: f 11
 
Verständnisfrage: wie wird die Gießkanne schneller voll? Mit einer Blende von f1,4 oder einer Blende von f11?
 
Antwort: Das hat doch gar nichts mit der Gießkanne zu tun...
 
vernünftige Antwort: Bei einer Blende von 1,4 ist das Loch, durch das das Licht kommt viel größer. Der Sensor hätte damit also viel schneller genug Licht gesammelt. 
 
3. Die Sensorempfindlichkeit
 
Gehen wir weg vom Gießkannenbeispiel. Die Sensorempfindlichkeit ist eigentlich relativ leicht zu verstehen. Bisher haben wir also eingestellt, wie lange und wie viel Licht auf den Sensor kommen. Den Sensor selbst kann ich nun noch je nach Bedarf empfindlicher oder nicht so empfindlich einstellen. Je nach Einstellung reicht eben bereits wenig Licht, oder er braucht ganz viel Licht, bis das Bild richtig belichtet ist.
Angegeben wird das in der Kamera über die ISO Zahl. Je höher die Zahl, desto empfindlicher ist der Sensor. Jetzt könnte man hergehen und sagen:"Na dann rauf mit der ISO". Allerdings leidet mit der erhöhten Sensorempfindlichkeit auch die Bildqualität, weswegen die ISO Zahl in der Regel möglichst niedrig sein soll.
 
Zum Mitdenken:
 
Sehen wir uns jetzt das Ganze noch an einem Beispiel an:
 
etwas zu dunkel
etwas zu dunkel
 
 
 
Wir sehen als erstes mal, dass in dem Bild nicht ganz wiel helles oder ganz viel dunkles ist, sondern eine schöne Mischung mit der Tendenz zum Hellen. Wir können uns also auf die Anzeige der Lichtwaage einigermaßen verlassen. Diese zeigt an, dass das Bild leicht unterbelichtet, also zu dunkel ist. Die derzeitigen Einstellungen sind:
 
Belichtungszeit: 1/1000tel Sekunde
Blendenzahl: f 3,5
Sensorempfindlichkeit: ISO 1600
 
Was können wir also tun?
Wir können entweder die Blende weiter öffnen, falls dies noch möglich ist (das ist von Objektiv zu Objektiv unterschiedlich und letztendlich oft eine Preisfrage), wir können die Belichtungszeit verlängern oder die Sensorempfindlichkeit erhöhen. Es ginge auch eine Kombination aus diesen Punkten.
Da die Blende bei meiner Digicam nicht weiter aufgeht, und die ISO mit 1600 schon relativ hoch ist, die Zeit mit 1/1000tel aber sehr kurz ist, wäre es am vernünftigsten, länger zu belichten. Wir gehen also mit der Zeit so weit runter, bis die Lichtwaage ihr Okay gibt. Das sieht dann so aus:
 
richtig belichtet
richtig belichtet
 
Von einer 1/1000tel Sekunde bin ich jetzt auf eine 1/500tel Sekunde gegangen, da zeigte die Lichtwaage dann an, dass ich korrekt belichte.
Blendenzeit und Blendenöffnung bewirken jedoch noch ne Menge anderer Dinge, zu denen wir nächste Woche kommen.
 
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