Richtig belichten - Teil 2
 

Nachdem wir uns letzte Woche angesehen haben, wie eine Kamera misst, ob ein Bild zu hell oder zu dunkel ist, sehen wir uns heute mal an, wie die Kamera dies anzeigt und was man selbst mitdenken sollte.

 
Bevor du hier weiterliest, empfehle ich dir unbedingt, den Artikel von letzter Woche: Richtig belichten - Teil 1 zu lesen. Wenn du das getan hast, dann weißt du mittlerweile, dass eine Kamera immer dann denkt, das Bild habe die richtige Helligkeit, wenn sich daraus im Durchschnitt 18% Grau ergibt. Farben lassen wir hier außer acht. Was zählt ist allein die Helligkeit.
 
Aber wie zeigt uns denn eine Kamera eigentlich an, dass sie denkt, ein Bild sei richtig belichtet? Dazu gibt es die Lichtwaage.
 
 
Die Lichtwaage
 
Je nach Kameramodell wirst du diese an einer anderen Stelle finden. Bei meiner Digicam finde ich sie zum Beispiel senkrecht am rechten Rand des Displays. In den meisten DSLRs wird man sie vermutlich waagrecht am unteren Rand finden, wenn man durch den Sucher schaut. Sie ist normalerweise eine Skala mit einem großen, dicken Strich in der Mitte, zwei kleinen dünnen Strichen, abgewechselt mit einem etwas dickeren Strich. Außerdem sieht man noch einen Zeiger, der hin und herspringt und zeigt, ob die Kamera glaubt, das Bild ist richtig belichtet oder eben nicht.
Die Helligkeit wird übrigens als Lichtwert (LW) gemessen, wobei man in der Regel das englische Exposure Value (EV) lesen wird. Die meisten Kameras messen die Abweichung vom (von ihnen gemessenen) idealen Lichtwert in Drittelstufen. Ich bin also zum Beispiel um 1/3 EV über dem idealen Wert oder um 2/3 unter dem idealen Wert.
 
Beispiel: Digicam
Beispiel: Digicam
 
In meinem Beispiel siehst du, dass ich ein Bild meiner hauptsächlich schwarzen Tastatur mache. Die Lichtwaage zeigt an, dass ich um 1 EV unterbelichte. Deswegen steht im Display auch nochmal unten -1, was jedoch nicht alle Kameras anzeigen. Ist ja auch doppelt gemoppelt...
 
Die Kamera denkt also: "Wenn alles mit rechten Dingen zugeht und du nicht etwas total dunkles fotografierst, dann wird dir dein Bild ein wenig zu dunkel, weil ich nicht auf mein 18% Grau komme".
 
Der Fotograf sollte sich aber denken: "Der Großteil des Bildes ist eine schwarze Tastatur. Damit das Bild diese einigermaßen richtig darstellt, muss ich die Kamera so einstellen, dass die Lichtwaage -1 anzeigt, sonst wird sie höchstens grau."
 
Ihr seht also, dass ein ständiges Mitdenken erforderlich ist, was die richtigen Einstellungen sind. Deshalb war die Übung von letzter Woche so wichtig, um zu verstehen, wie die Kameras messen.
 
Für alle, die wissen, wie das geht: die Kamera sollte "mittenbetont" messen
Für alle, die nicht wissen, wie das geht: deine Kamera ist vermutlich so eingestellt, dass sie mittenbetont misst. ;)
 
 
Kleine Denksportaufgabe: Du fotografierst eine Braut im Schnee. Wenn du die Kamera so einstellst, dass die Lichtwaage genau Null anzeigt, wie wird wohl das Bild aussehen?
 
Überleg kurz...
 
Antwort: Durch den hohen Anteil an hellen Dingen im Bild (weißes Brautkleid, Schnee) und der Tatsache, dass die Kamera 18% Grau will, wirst du bei genannten Einstellungen unterbelichten und ein zu dunkles Bild bekommen. Ein trauriges, tristes graues Brautkleid, in grauer Landschaft mit einer nicht gut erkennbaren, da viel zu dunklen Braut.
 
Womit kann ich dann einstellen, ob ein Bild heller oder dunkler wird?
Prinzipiell gibt es hierzu drei Möglichkeiten:
 
  1. über die Zeit, in der Licht auf den Sensor trifft (in meinem Beispiel 1/4 Sekunde)
  2. über die Blende, also wie weit das Objektiv geöffnet ist (in meinem Beispiel f5.6)
  3. über die ISO, also die Sensorempfindlichkeit (in meinem Beispiel ISO 400)
 
Dazu aber in der nächsten Woche mehr.

 
 
Das könnte dich auch interessieren:
 
 

 

 

 

 

 

 

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken