Richtig belichten - Teil 1
 
Sicherlich hast du schon mal von jemandem ein Foto gemacht, ob nun mit einer Spiegelreflex oder nur mit der Handykamera. Dann ist es dir vermutlich auch schon mal passiert, dass die Person viel zu hell oder viel zu dunkel war. Woran liegt das?
 
Du hast falsch belichtet.
 
Lass uns mal ein kleines Experiment machen, um dazu ein wenig Klarheit zu schaffen: Nimm mal deine Handykamera (Blitz aus) und halte ein weißes Blatt Papier davor, so dass das ganze Bild nur noch aus einer weißen Fläche besteht. Wenn du jetzt davon ein Foto machst, wie sieht das Bild aus? Vermutlich nicht weiß, sondern eher gräulich. Komisch, oder?
 
Jetzt nimm ein dunkles (am besten schwarzes) Blatt oder irgendeine andere schwarze Oberfläche und fotografiere es ebenfalls so, dass es das Bild vollständig ausfüllt. Ist das Foto jetzt schwarz? Auch wieder nicht, oder? 
 
Vergleiche mal das Foto vom weißen Blatt mit dem Foto vom schwarzen Blatt. Dir sollte etwas auffallen.
 
 
Weißes Blatt Papier
Weißes Blatt Papier
Schwarze Laptopklappe
Schwarze Laptopklappe
 
Ja genau die Bilder sehen beide völlig gleich (zumindest gleich hell) aus. Okay... auf der Rechten Seite kam das Licht von der Sonne seitlicher. Lass dich übrigens nicht davon verwirren, dass die Fotos bei mir einen starken Blaustich haben. Die Farbe kann bei dir völlig anders sein. Das hängt vom Weißabgleich ab, einer Einstellung, die wir später mal anschauen müssen. Es geht hierbei rein um die Helligkeit und nicht um die Farbe.
 
Dein Handy und übrigens auch jeder Fotoapparat macht nämlich vereinfacht Folgendes, um ein korrekt helles Bild hinzubekommen:
 
An und für sich weiß das Handy ja nicht, was da gerade vor seiner Linse ist (hoffen wirs). Also muss es irgendwie messen, was vermutlich die richtigen Einstellungen für die Helligkeit sind. Es nimmt dazu das ganze Bild, das es gerade macht, denkt es sich in Graustufen und haut alles in den Smoothie Maker, um einen grauen Brei aus allen Helligkeitsstufen zu bekommen, die da gerade mit aufs Bild kommen. Diesen sieht es sich an und versucht die Einstellungen so zu verändern, dass ein ganz bestimmtes Grau (das sich 18% Grau nennt) hinzubekommen.
 
Falls du wissen möchtest, wie 18% Grau aussieht, nimm das Bild, welches du vorhin vom weißen oder schwarzen Blatt aufgenommen hast, mache es schwarz weiß und voila: vor dir siehst du ungefähr 18% Grau.
 
18% Grau
18% Grau

 
Vielleicht denkst du dir jetzt, dass das ja nie funktionieren kann, aber denkste... Überleg mal, wie viele Bilder du damit bisher richtig belichtet hast. Das dürften wesentlich mehr sein, als die, die du nicht richtig belichten konntest. Die Welt um uns rum besteht nämlich in den allermeisten Fällen genauso wie die Haut eines Mitteleuropäers ungefähr aus 18% Grau, wenn sie im Smoothie Maker gemixt werden würde. Es funktioniert nur immer dann nicht, wenn du in die Extrembereiche gehst, wie in unserem Experiment mit dem weißen und schwarzen Blatt Papier.
 
Wenn du das verstanden hast, hast du schon ziemlich viel über korrektes Belichten verstanden. Ich würde vorschlagen, du schaust dir das einfach nochmal mit der Handykamera in verschiedenen Situationen an. Mach zum Beispiel ein Selfie von dir, während du vor einer weißen oder dunklen Wand stehst. Dabei bist du einmal jeweils groß im Bild und ein andermal nur ganz klein. Überleg dir jeweils vorher, wie du selbst auf dem Foto aussehen wirst. Zu hell oder zu dunkel. Bedenke: Das ganze Bild kommt in den Mixer und wenn der Brei zu hell oder zu dunkel ist, passt das Handy die Einstellungen an und steuert dagegen.
 
Diese Übung ist vielleicht nicht besonders sexy, aber extrem nützlich, wenn du deine Kamera verstehen willst.
 
Wie man dies an einer Kamera nun selbst einstellt, werden wir in der nächsten Woche mit Richtig belichten - Teil 2 klären.

 
 
 
 
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