Ein schönes Bild - was macht es aus?
 
Neulich habe ich den eher zynischen Kommentar gelesen, dass die Anzahl der Likes, die man zum Beispiel auf ein Bild bei Facebook bekommt, hauptsächlich damit zu tun hat, wie schön das abfotografierte Model ist. Aber das kann doch nicht alles sein, oder?
 
Meiner Meinung nach sind Fotografen, die so denken gewaltigst auf dem Holzweg. Dabei meine ich jetzt übrigens nicht, dass die Anzahl der Likes nichts damit zu tun hat, sondern, dass weder die Likes noch ein besonders hübsches Model auch nur im geringsten etwas damit zu tun haben, ob ein Bild gut ist oder nicht. Hierfür spielen meiner Meinung nach ganz andere Faktoren eine Rolle:
 
Was es schon mal nicht ist
Am einfachsten lässt sich schon mal beantworten, was ein schönes Bild nicht ausmacht: das wären viel zu große und auffällige Wassermarken, die gerne auch noch das Wörtchen Kunst in allen möglichen und unmöglichen Sprachen beinhalten und den Blick weg vom mehr schlechten als rechten Bild zu lenken. Was auch nichts bringt ist ein total hübsches Model ohne irgendeine Ahnung zu fotografieren. Wenn ich den besten Hummer in meine mit Liebe zubereitete Tütensuppe schmeiße, dann bin ich auch noch kein Sternekoch. Und was auf gar keinen Fall dazugehört ist, wenn ich versuche meine Knipserei am PC mit diversen Programmen zu verschlimmbessern und meine Fotografie als eine "etwas andere" oder "außergewöhnliche" Fotografie zu verkaufen...
 
Was könnte denn dann eine Rolle spielen?
 
Das Licht
Da wäre zu allererst die meiner Ansicht nach wichtigste Zutat für ein gutes Bild zu nennen. Das Licht.
Viele Fotografen verrennen sich derzeit darin, immer bessere Kameras zu kaufen, mit denen man sogar schwarze Katzen in der Nacht unterm Bett fotografieren kann, ohne das Licht anzumachen...Die neuen Kamerasensoren machen es möglich. Nun... wenn man schwarze Katze in der Nacht unterm Bett ohne Licht fotografieren möchte, ist diese Herangehensweise sicherlich die vollkommen richtige. Für alle anderen gilt: Tue alles, um das Licht, das auf das Model kommt so perfekt wie möglich zu machen. Available Light... schön und gut. Blitzen ist fast so alt wie das Fotografieren selbst und man stirbt nicht davon. Nur können sollte man es halt. Also: Üben...
Ein guter Fotograf weiß sofort, wie er bei der jeweiligen Person das Licht setzen muss, um es möglichst vorteilhaft abzulichten (ja... dieses Wort hab ich bewusst gewählt). Eine ältere Dame mit reiferer Haut braucht völlig anderes Licht / andere Lichtformer, als ein junger Hüpfer, bei dem noch keine einzige Falte zu finden ist. 5kg oder noch mehr zu viel? Mit dem richtigen Licht kann man die schneller wegbekommen, als man benötigt, um seine Weight Watchers Punkte zusammenzurechnen. Ihr glaubt mir nicht? Schaut mal mein Profilbild an. :D
Ach ja... Blitzen übrigens auch nur dann, wenn man es braucht. Manchmal reicht das natürlich vorhandene Licht völlig aus. Man muss die Suppe dann nicht versalzen, um wieder beim Vergleich mit dem Kochen zu sein.
Stattdessen könnte man sich Gedanken über den zweitwichtigsten Punkt machen:
 
Die Anleitung
Normalerweise liest man an dieser Stelle meistens "das Posing", ich denke aber, dass das richtige Posen alleine nicht ausreicht. Natürlich ist eine stimmige Pose ein total wichtiger Faktor für ein gutes Bild. Die grundlegenden Regeln dafür sollte jeder Fotograf, der (bezahlte) Shoots anbietet auch dann noch beherrschen, wenn er gerade im Kopf die neue längste bekannte Primzahl ausrechnet. Habe ich oben geschrieben, dass mit dem richtigen Licht das ein oder andere Kilo weggezaubert werden kann, so gilt dies nochmals für das richtige Posing. Ein kleiner Tipp: wenn ich von dem Model verlange, sich mit voller Breitseite zur Kamera zu wenden, dann in der Regel immer nur dann, wenn sich das Model das auch leisten kann. In der Regel ist eine kleine Drehung weg von der Kamera immer die bessere Wahl. Hiermit wieder der Verweis auf mein Profilbild. ;)
 
Also dann... wegdrehen...
 
Stop! 
 
In die andere Richtung drehen. Körper weg vom Licht. Und schwups sind nochmal 5 Kilo weg. Mittlerweile würde, so fotografiert, sogar Buddha als magersüchtig durchgehen (okay... Photoshop bräuchte es da vermutlich auch noch ein wenig)
 
Aber wie ich schon schrieb: Ein Fotograf, der das Model in die richtige Pose bringt und zwar auch noch so, dass es zu dem Licht passt, das er aufgebaut (oder eben nicht) hat macht damit noch lange kein großartiges Bild.
 
Was fehlt dann noch? Nun... was sagt nahezu jeder, wenn er ein Foto von einer Gruppe macht? Genau! Lääächeln. Und was bekommt er dann? Genau hochgezogene Mundwinkel, mit Augen, die gerade daran denken, was nach dem Foto machen im Supermarkt noch eingekauft werden muss. Die richtige Emotion für ein Bild herauszukitzeln gehört mit Sicherheit zu den schwierigsten Aufgaben eines guten Fotografen überhaupt. Zugleich gehört sie wohl auch zu den wichtigsten. Und bitte: die richtige Emotion ist nicht auf jedem Bild ein "Bitte lächeln!"
Kann ich die richtige, ehrliche Emotion beim Model hervorrufen, dann habe ich zusammen mit den anderen bereits genannten Punkten mit hundert prozentiger Sicherheit bereits ein Hammerbild.
Aber es ginge schon noch eine Nummer besser:
 
Das gewisse Etwas
Ich weiß, das ist jetzt enttäuschend, weil ich nicht genau schreiben kann, was ich damit meine, aber das ist wie bei einem guten Essen die Zutat, die mich das Gericht (oder in unserem Falle Bild) nicht mehr so schnell vergessen lässt. Das kann so vieles sein: das Bild erzählt eine Geschichte, eine besonders geschickte Bildkomposition, oder ein interessantes Accessoir. Das ist von Bild zu Bild unterschiedlich.
 
Vielleicht hast du ja Lust, das alles in einem Shoot mit mir auszuprobieren, dann melde dich bei mir. Vielleicht bekommen wir ja großartige Bilder hin. ;)

 

 

 
 
 
 
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