Photoshop oder nicht?
 
 
"Das, was eine Frau mit Schminke aus sich macht, würde jeden Gebrauchtwagenhändler ins Gefängnis bringen..."
 
 
Ich weiß nicht mehr, woher ich diesen Spruch habe, aber das ist, was mir als erstes in den Sinn kommt, wenn jemand sagt, ihm gefallen keine retuschierten Fotos.
 
Und doch meine ich zu ahnen, woher diese Haltung kommt. Selbst erfahrene Fotografen nutzen die Regler in Photoshop (oder jedem anderen Bildbearbeitungsprogramm, Photoshop sei hier nur generisch verwendet) leider viel zu häufig immer nur auf vollem Anschlag. Eine Haut, wie die von Chucky der Mörderpuppe und leuchtende Augen wie bei den Zombies aus Fear the Walking Dead sind das Ergebnis. Und wenn ich mir meine Fotos von früher so anschaue, so muss ich zugeben, darf ich mich davon leider gar nicht ausnehmen... :D
 
Also schauen wir auf die andere Seite: und da ist es so, wie oben schon angekündigt ist. Wo hört natürlich auf, wo beginnt unnatürlich? Darf sich Frau (oder auch Mann) nun für ein Foto schminken, oder nicht? Was ist mit Paul dem Pickel? Leuchten Lassen, Abdeckstift oder doch Photoshop? Ist ja schließlich alles Natur... Auch wenns nicht unbedingt zu den schönsten Erscheinungen in der Gesichtslandschaft gehört.
 
Oft kommt auch der Einwand, dass die analoge Fotografie wenigstens noch ehrlich war. Da konnte man schließlich im Nachhinein nicht mehr per Zauberhand Pixel schubsen.
Stimmt! Pixel wurden nicht geschubst, aber man würde sich wundern, wieviele hochgelobten Techniken der modernen Bildretusche in Wirklichkeit ein ganz alter Hut aus der Dunkelkammer sind.
 
Bei anderen Künsten ist es nicht anders. Ob Mona Lisa wirklich so reine Haut hatte? Ich zweifle stark daran. Da hat sich dann aber auch glaube ich noch niemand drüber aufgeregt, dass es so nicht mehr natürlich wirkt.
 
Meine Meinung zur Retusche ist relativ simpel:
Zunächst vorweg sei gesagt, dass man auch mit Photoshop ohne vernünftiges Ausgangsmaterial nichts vernünftiges hinbekommt. Deswegen setze ich auch alles daran, dass das Foto an sich schon einwandfrei ist.
 
Wenn ich dieses dann am PC bearbeite, dann will ich auf alle Fälle vermeiden, dass hinterher jemand hergehen und sagen kann, dass da aber ganz schön in die Trickkiste gegriffen wurde.
Als einfache Regel erweist sich hierbei, dass alles, was nur temporär ist, weg darf. Niemandem ist geholfen, wenn auf dem Bild drei Pickel und 50 Mitesser zu sehen sind.
Narben zum Beispiel mache ich nur sehr ungern und nur auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden weg. Da gibt es bessere Wege, wenn die wirklich stören sollten. Wobei ich tatsächlich der Meinung bin, dass die ein Gesicht nur interessanter, ja sogar schöner machen.
 
Sachen, die zwar generell immer da sind, jedoch nur im Augenblick der Aufnahme auf dem Sensor verewigt wurden und zu sehr auffallen, dürfen ebenso weg. Die sieht man nämlich in Wirklichkeit auch nicht, weil sich Menschen normalerweise bewegen und das Stückchen gequetschte Haut oder das kleine Röllchen an der Hüfte im nächsten Moment auch schon wieder Geschichte sind.
 
 
Mein Motto ist:
Wenn ich retuschiere, will ich nicht den Menschen auf dem Bild verändern, ich will ihn nur so zeigen, als hätte er einen verdammt guten Tag gehabt. ;)
 
Hier ein Beispiel für eine - wie ich finde - gelungene Retusche. Bei diesem Bild sind Hautstruktur, Narben und kleinere Lachfältchen noch sichtbar und tragen, wie ich finde, wesentlich zum natürlichen Aussehen des Bildes bei. Die Augen leuchten nicht übertrieben und auch das Augenweiß erweckt nicht den Eindruck eines entgegenkommenden Autos bei Nacht, das nicht abblendet.
Übrigens wurde das meiste bei diesem Bild bereits durch die Art der Beleuchtung, also bereits vor Photoshop, erledigt.
 
Schreibt auf meiner Facebook Seite Georg Mühlbauer Fotografie gerne eure Meinung zu dem Thema.
 
Hautretusche

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